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Wissen und Wohlstand | Die Börsenkolumne | 28.07.2007 | 13:30 Uhr
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Die Angst geht um

Es ist ja ganz falsch, den Wirtschaftsteil der Tageszeitung immer wieder zu verschmähen, wie es in den Kreisen der kritischen jungen Intelligenz weit verbreitet ist. Diese Kolumne wird künftig in unregelmäßigen Abständen versuchen, das Auf und Ab an den Börsen der Welt zu beleuchten. Und zwar so, dass die Zusammenhänge hinter den Kulissen und deren Auswirkungen auf das richtige Leben verständlich werden. Denn die Börse ist die Institution schlechthin, in welcher der Kapitalismus zur Kenntlichkeit kommt. Hier ist alles Wahrheit, und auch hier ist die Wahrheit nicht immer schön.

Nr. 2 vom 27. Juli 2007, 22 Uhr

Die Angst geht um

Da hat der DAX es also doch noch geschafft, und ganz gegen unsere Vorhersage, das neue Allzeithoch! Es war Freitag, der 13. Juli. 8.151 Punkte, wow! Der unterdessen über sieben Jahre alte Rekord von 8.136 Punkten wurde knapp überflügelt. Aber es war nur ein kurzer Sommer, auch wenn ein paar Tage später der Dow Jones erstmals die 14.000er Marke durchbrach, auch hier: All time high! Aber seitdem gehts munter abwärts und eine leichte Nervosität kommt auf, der DAX schloss heute bei 7 451 Punkten, fast 10 Prozent unter dem Hoch vor zwei Wochen.

Der Hauptgrund dafür wurde an dieser Stelle zuletzt schon erläutert, die Krise auf dem zu lange allzu sorglosen US-Immobilienmarkt, siehe Kolumne Nr. 1. Inzwischen greift auch auf den Kreditmärkten eine leichte Nervosität um sich. Zum Beispiel bekommen die Heuschrecken erste Probleme, für ihre Abenteuer Kredite zu beschaffen. Ihre meist mit viel Fremdkapital finanzierten Unternehmenskäufe werden den Banken langsam zu riskant. Also müssen sie höhere Zinsen bieten, die Heuschrecken dieser Welt, um überhaupt Kredite zu bekommen.

Aktuelles Beispiel ist der Hedgefonds Cerberus, der Daimler den Namenszusatz Chrysler abnehmen möchte, wofür aber das Geld nicht so recht fließen will. Jetzt müssen die beteiligten Banken die Kredite in die eigenen Bücher nehmen, das heißt, sie können sie nicht weitergeben, was sie sonst gern tun. Diesen Vorgang nennt man Verbriefung. Aus den vergebenen Krediten bastelt die Bank ein paar festverzinsliche Papiere, die sie ganz einfach zum Beispiel bei Pensionsfonds abladen. Die wollen wenig Risiko und sicheren Zins und kaufen derlei gern. Und wenn es hier knirscht ist das ein Zeichen für zunehmendes Risikobewusstsein.

Nach den teilweise erklecklichen Verlusten stellt sich aber langsam die Frage, ob man nicht wieder einsteigen sollte. Ein Beispiel: Gestern, am Donnerstag, dem 26. Juli, schmierte die Aktie des größten deutschen Biogasanlageherstellers Schmack um 40 Prozent ab. Und nur weil der für 2007 vorausgesagte Umsatz nicht 150-170, sondern nur 140-150 Millionen € betragen wird. Und statt 12 Millionen Gewinn gibts 6 Millionen Verlust. Dafür 40 Prozent Verlust? An einem Tag? Da war die Börse zu streng. Meine Güte! Eine kleine Korrektur des Ergebnisses und eine so übertriebene Reaktion! In jungen Branchen ist derlei nicht ungewöhnlich und grundsätzlich hat Biogas und damit Schmack eine große Zukunft. Kinderkrankheiten! Also: jetzt kaufen, rate ich. Diese Aktie wird sich erholen. Den Hauptwettbewerber von Schmack, EnviTec, erst ganz frisch an der Börse, erwischte es gestern auch, minus 15 Prozent. Auch übertrieben.

Grundsätzlich gilt jetzt: Nerven behalten. Kühl beobachten. Wenn die Deutschen Angst haben (und die haben sie gern), ist es Zeit einzusteigen. Also bei herben Niedergängen die Chance zum günstigen Einstieg nutzen! Egbert Pietsch

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