Wissen und Wohlstand | Die Börsenkolumne | 11.07.2007 | 15:48 Uhr |
Es hüstelt

Es ist ja ganz falsch, den Wirtschaftsteil der Tageszeitung immer wieder zu verschmähen, wie es in den Kreisen der kritischen jungen Intelligenz weit verbreitet ist. Diese Kolumne wird künftig in unregelmäßigen Abständen versuchen, das Auf und Ab an den Börsen der Welt zu beleuchten. Und zwar so, dass die Zusammenhänge hinter den Kulissen und deren Auswirkungen auf das richtige Leben verständlich werden. Denn die Börse ist die Institution schlechthin, in welcher der Kapitalismus zur Kenntlichkeit kommt. Hier ist alles Wahrheit, und auch hier ist die Wahrheit nicht immer schön.
Nr. 1 vom 11. Juli 2007, 22.00
Heute schloss die Börse Frankfurt bei einem DAX-Schlußstand von 7898,54 Punkten. Es hüstelt in den letzten Wochen etwas, passend zum deutschen Wetter. Dabei haben alle Beobachter wie gebannt auf das neue Allzeithoch gewartet. Um schlappe 5 Punkte schrammte der DAX nur dran vorbei. Aber diesen Sommer wirds wohl nichts mehr werden, derzeit gehts eher sanft abwärts.
Das liegt vor allem am US-Immobilienmarkt, dessen Wellen sich langsam auf die weltweite Wirtschaft auswirken. Jahrelang wurden in den Staaten sehr lax Hypothekenkredite vergeben, was sich nun rächt. Denn steigende Zinsen und fallende Häuserpreise sind eine gefährliche Mischung. Immer mehr Kunden können die Kredite nicht bedienen und je nach Erlös der Zwangsversteigerungen bleiben mehr oder minder große Kreditausfälle. Das Problem wird verschärft durch die häufige Verbriefung dieser Kredite, also den gebündelten Weiterkauf. Jetzt steht eine breite Neubewertung an, wodurch eine Verkaufswelle entstehen wird. Aber wer wird diese Ramschkredite kaufen wollen? Ohne große Abschläge wird da nichts gehen. Das könnte zu einer handfesten Krise führen.
Ohnehin ist es schwierig, derzeit Aktien zum Kauf zu empfehlen. Nach vier Jahren stetigen Anstiegs der Kurse sollte man jetzt Positionen abbauen, also verkaufen und sich freuen. Das kleine Gewitter abwarten und dann wieder einsteigen. Unterbewertet ist kaum noch etwas, außer vielleicht die zuletzt zahlreich an die Börse strebenden Biodieselwerte. Hier hat die Besteuerung der Bundesregierung für einen jähen Absturz gesorgt, denn der Preisunterschied zwischen mineralischem Diesel und Biodiesel ist nicht mehr hoch genug, um den immer mehr hergestellten Biodiesel abzusetzen. Der Markt nimmt die produzierten Mengen nicht mehr auf, die Einnahmen der Hersteller sinken, Gewinne gibts dann keine, der Kurs rauscht in den Keller. Das ist der Moment, in dem der schlaue Investor zuschlägt.
Derzeit rate ich zu Verbio, ein Unternehmen aus Zörbig – ja, Zörbig hinter Bitterfeld, wo der DDR-Rübensirup herkam. Hinter Verbio (Vereinigte BioEnergie AG) verbirgt sich ein Konglomerat von Biodieselfabriken in Deutschland und der Schweiz. Dieser Wert kam im letzten Oktober zu 16 € an die Börse und kostete heute in Frankfurt 6,37 €. Das wird langfristig wieder aufwärts gehen, denn erstens ist Mineraldiesel endlich und zweitens müssen die großen Ölkonzerne zunehmend beimischen.
Vergleichbar ist die Aktie der Crop Energies, eine Abspaltung der Südzucker AG, deren größte Anlage man in Zeitz bestaunen kann. Diese Aktie kam auch erst im letzten Herbst zu 8 € an die Börse und lag heute bei 6,98 €. Hier geht es mehr um Bioethanol, deswegen fiel der Wert nicht so böse. Bioethanol wird für Ottomotoren verwendet und hat heute schon eine enorme Bedeutung, zum Beispiel in Argentinien und Brasilien. Auch hier sehe ich großes Potenzial nach oben. Die Zukunft der Energie liegt sowieso in der Landwirtschaft! Egbert Pietsch
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