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Wissen und Wohlstand | Bio Spezial | 18.09.2009 | 17:20 Uhr
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»Es geht um eine clevere Wahl der Mobilität«

Gesund leben und dabei das Klima schützen – wie funktioniert das?

Klimaschutzexperte Julian Fischer (l.) und Ernährungsberater Jens Luther von der Verbraucherzentrale Sachsen

Oft vergisst man, dass Ernährung nicht nur etwas mit dem eigenen Wohlergehen zu tun hat, sondern sich auch auf unsere Umwelt und damit auf das Klima auswirkt. Was jeder selbst tun kann, um sich sowohl gesund als auch umweltschonend zu ernähren, hat der kreuzer den Ernährungsberater Jens Luther und den Klimaschutzexperten Julian Fischer – beide von der Verbraucherzentrale Sachsen – gefragt.

kreuzer: Worauf sollten Verbraucher in Bezug auf eine gesunde und zugleich ökologisch verantwortungsbewusste Ernährung achten?

JENS LUTHER: Ökologisch und gesund ist eine Ernährung, die Saisonalität und Regionalität der Lebensmittel berücksichtigt sowie wenig tierische Lebensmittel und viel Gemüse und Getreideprodukte umfasst. Klimaschutz und der Einkauf von Lebensmitteln sind im Bewusstsein der Verbraucher leider bisher noch sehr selten miteinander verknüpft. Ich finde es wunderbar, dass die Läden voll sind mit Bio-Lebensmitteln, aus ökologischer Sicht ist es aber fraglich, ob Bio-Obst und -Gemüse aus Argentinien oder Neuseeland mit dem Flugzeug eingeflogen werden muss.

JULIAN FISCHER: Beim Klimaschutz sollte man sich fragen: Wie komme ich zum Laden hin und zurück, und welche Möglichkeiten gibt es, sich zu organisieren? Wenn ich ein eigenes Auto habe, dann steht es eigentlich die meiste Zeit nur da. Carsharing ergibt sowohl finanziell als auch aus Emissionsgründen Sinn. In der Stadt kann man aber auch gut mit dem Fahrrad einkaufen und tut dabei gleich noch etwas für seine Gesundheit.

kreuzer: In welchem Verhältnis stehen die Transportwege, mit denen die Ware in das Geschäft gelangt, und die Energiekosten, die der Verbraucher auf seinem Weg zum Laden verursacht, zueinander?

LUTHER: Entscheidend ist beim Großtransport vor allem, ob Flugzeuge eingesetzt werden oder nicht. Bei LKW und Eisenbahn sind die Emissionsunterschiede weniger gravierend. Vor allen Dingen kann aber der Verbraucher vor Ort einen wesentlichen Beitrag leisten.

FISCHER: 18 Prozent der Treibhausgase können dem Verkehrssektor zugeschrieben werden. Dabei spielen Kurzstrecken eine wichtige Rolle. Die Hälfte der Fahrten mit dem Auto ist kürzer als sechs Kilometer, darunter auch Fahrten zum Bio-Laden. Die Kosten, die bei einer Kurzstrecke entstehen, stehen in keinem Verhältnis zur Mobilität, die man dadurch gewinnt. Ein Auto verbraucht auf einer Kurzstrecke von einem Kilometer bis zu 0,35 Liter.
Ein anderer Punkt ist das Spritsparen: Wenn ich auf unnötigen Ballast verzichte, vorausschauend fahre, mir Reifen anschaffe, die einen geringeren Rollwiderstand haben, und darauf achte, dass ich genügend Druck auf den Reifen habe und außerdem früh hochschalte, dann kann ich bis zu 30 Prozent Benzin sparen.

kreuzer: Müssen wir weg von der Einstellung Mobilsein rund um die Uhr, hin zu mehr Vorausplanung?

FISCHER: Es geht um eine clevere Wahl der Mobilität. Ein Kleinwagen mit Abschreibung, Steuern, Benzin und allem Drum und Dran kostet monatlich rund 390 Euro. Die Verbraucherzentrale sagt nicht grundsätzlich: Autos sind schlecht, sondern fordert den Verbraucher dazu auf, sich zu überlegen, ob sich ein Auto wirklich für ihn rentiert, und dabei den Klimaschutz in diese Rechnung mit einzubeziehen. Wenn ich viel laufe und Fahrrad fahre, kann ich mir den Beitrag für das Fitnessstudio sparen. Studien zeigen: Wer viel Fahrrad fährt, hat ein geringeres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Und wenn man sein Fahrrad mit Korb oder Anhänger ausrüstet, lässt sich damit auch einiges transportieren. Interview: Andrea Kathrin Kraus

 Weiterführende Informationen unter www.verbraucherfuersklima.de
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